Deike Moggert />
Reisende kürten letzte Woche den Pariser Flughafen Charles de Gaulle zum meist gehassten weltweit. Ich möchte diese Menschen dafür feierlich beglückwünschen, durfte ich mich doch am Wochenende neuerlich selbst von der Qualität dieses Flughafens überzeugen.
Als Reisejournalist fliegt man nicht selten. Was ich aber an diesem Wochenende mitmachen durfte, hätten amerikanische Drehbuchautoren in keiner schlechteren Hollywood-Komödie verpacken können (Wenn ich auch zugeben muss, dass die katastrophalen Zustände in diesem speziellen Fall hauptsächlich auf das Konto der Fluggesellschaft Easyjet gehen).
Per Email wurde ich bei der Buchung von Easyjet dazu aufgefordert, mich spätestens um 20:05 Uhr am Check-in Schalter zu präsentieren, oder gleich mit der ausgedruckten Bordkarte am Security-Check. Hier gab es leider ein Problem beim Lesen des Ausdrucks, weshalb ich mich nach einem Besuch bei der Sicherheit doch wieder am Check-in-Schalter einfand. Um 19:40 Uhr teilte man mir dort mit: "Sie kommen zu spät, ich schließe.". Auf meinen Hinweis, dass der Check-in-Schalter laut Angaben der Fluggesellschaft noch 25 Minuten offen sein sollte, antwortete mir der Herr, dass man 40 Minuten vor Abflug schließe, worauf ich ihn wiederum darauf Aufmerksam machte, dass das aufs gleiche hinausliefe. Sie seien heute "etwas früher dran". Ich auch und deshalb möchte ich bitte mitfliegen, ließ ich nicht locker.
Wieder im Security Check angekommen, sagte mir das Personal mit entsetzter Miene, dass das Boarding bereits begonnen habe und ich mich spurten solle. Als ich aber vollkommen verschwitzt und hechelnd am Gate ankam, schauten mich gefühlte 200 Augen grinsend an - allen voran die Augenpaare des Personals. Das Boarding beginne noch lange nicht, ich solle mich erst einmal setzen. Auf meine Einwände hin, dass die Kollegen gesagt hätten, das Boarding habe begonnen, durfte ich mir dann Belehrungen über den Unterschied von Check-in und Boarding anhören, natürlich in einem Ton als stünde eine 3-Jährige vor ihnen. Leider händigte man mir weder einen Lolli aus, noch erhielt ich eine Entschuldigung. "Das gehört zu den Dingen, die so passieren im Leben", das Grinsen wurde mittlerweile im Tandem vorgenommen und hatte drastisch an Unverschämtheit zugenommen. Hinter meinem Rücken hörte ich noch ein "Die spinnt doch!", gefolgt von einem hämischen Lachen und der Beipflichtung eines Kollegen. Als ich mein Buch durchgelesen, ein Sandwich vertilgt und zwei Telefonate erledigt hatte, wurde dann irgendwann auch zum Boarding aufgerufen. Und weitere zehn Minuten später ging es tatsächlich damit los.
Nach einigen Tagen Reflektion überrascht mich an der Geschichte eigentlich nur noch eins: Dass ich als Reisejournalistin und Vielfliegererin überhaupt annehmen konnte, bei einer Billigfluggesellschaft wie eine Kundin behandelt zu werden. Deshalb abschließend mein Tipp für Easyjet-Reisende: Kommen Sie vorsichtshalber zwei bis drei Stunden vor dem offiziellen Check-in zum Schalter und installieren Sie einen Spiegel auf Ihrer Stirn, damit die Unverschämtheiten des Personals ohne Umweg auf den Adressanten zurückprallen. Guten Flug!
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