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Diskriminierende Hotels auf Vormarsch

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29 Oktober 2012 - 13:01


Skandal! Die Wunden nach dem entbrannten Streit im Jahr 2008 in England sind wegen jahrlangen Gerichtsverhandlungen immer noch ganz frisch. Der Vorwurf lautet Diskriminierung. Einem schwulen Paar wurde in Cornwall (Großbritannien) ein Doppelzimmer im Hotel verweigert. Das christliche Hotelier-Ehepaar beruft sich auf fromme Sitten und will, nach eigenem Wortlaut, nicht für die "Förderung der Sünde" verantwortlich sein.

Derartigen Anschuldigungen wollte Deutschland wohl gleich vorbeugen und eröffnete 2010 als deutschlandweiter Vorreiter das erste "Gay Hostel" in Berlin, um zum Sündenpfuhl in Mitteleuropa zu werden. Pardon, zum Paradies für die Homosexuellen-Szene natürlich.

Adult-Only-Hotels blühen auf

Die natürliche Auslese nach der Preishöhe pro Zimmer reicht also nicht mehr aus, um eine Unterkunft zu wählen, beziehungsweise von der Herberge gewählt zu werden. Wenn früher nur nach "Schicki-Micki-Klasse" und "Normalverdiener" unterschieden wurde, so müssen Sie heute weitaus mehr Kriterien erfüllen, um mancherorts nächtigen zu dürfen.

Hotels ausschließlich für Erwachsene sind schon längst Schnee von gestern. Adults-Only-Hotels gibt es bereits wie Sand am Meer. Auf der Website www.adults-only-holidays.com können sich Urlauber selbst einen Überblick verschaffen, welche Hotelanlagen sie buchen sollten, um während der Reise vom störenden Nachwuchs befreit zu sein.

Doch dies ist nur der Beginn allen Übels: Heutzutage ist neben dem Trend für Hotels mit exklusivem Zugang für Homosexuelle, allein reisende Frauen, Singles und Erwachsene mit mehr Einschränkungen zu rechnen.

"Man ist so alt wie man sich fühlt?" - Fehlanzeige

In Amsterdam ist die Hotelbranche einen Schritt weiter gegangen. Die Kette "Flying Pig Hostels" spricht für seine drei Häuser eine unmissverständliche Forderung aus: "Um unsere lockere Atmosphäre zu bewahren und aufrecht zu halten, erlauben wir folgendes nicht: Personen unter 18 oder über 40 Jahren." Schluss, aus, vorbei. Die Konsequenz daraus (wir erlauben uns den plumpen Ausdruck): "Die nicht mehr frische Generation der "Gruftis" und "Kompostis" gehört zum Sperrmüll, macht die Stimmung kaputt und sollte lieber draußen bleiben."

Das Münchner Euro Youth Hotel hat sich der Modewelle in einer abgemilderten Form angepasst. Nur Gäste unter 35 Jahren dürfen in Schlafsälen nächtigen. Rechtlich gesehen einwandfrei: "Die Kontraktionspflicht in Deutschland erlaubt es, Unternehmen selbst zu entscheiden mit wem sie Verträge abschließen", so der Gesetzgeber. Kurzum: Hotels dürfen sich die Gäste selbst auswählen.

Ob man sich da ins eigene Fleisch schneidet bleibt fraglich. Deutschland - dank seinem höchsten Rentneranteil auch als das "Altersheim Europas" bezeichnet - sollte es sich mit der soliden zahlungsfähigen Bevölkerungsschicht nicht verscherzen.

Demnächst Unterkünfte für Hipster und Tante Elsbeth

Doch was kommt noch? Erwarten uns am Hoteleingang bald Schildchen wie: "Wir müssen draußen bleiben: Christen, Rothaarige und Harz IV-Empfänger" oder "Kein Eintritt für Singles?", "Vegetarier unerwünscht", "Frauen bitte nur nackt willkommen" und "Kein Platz für Übergewichtige"?

Und warum ist noch keiner auf die Idee gekommen Spezialunterkünfte für pseudointellektuelle Hipster, stramme Bauern, die dicke Tante Elsbeth oder den Verein der alten Jungfern zu gründen?

Wie heißt es so schön: Man ist so alt wie man sich fühlt. Die Sympathie und Offenheit eines Menschen lässt sich weder nach Alter, Geschlecht, sexuellen Vorlieben oder anderen Kriterien festhalten. Pipapo. Fehlanzeige.

Olga Henich

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