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Freiheit ist gut fürs Geschäft

06 August 2012 - 16:03

Kaum ein Nicht-Muslim kennt den Unterschied zwischen Burka, Tschador und Niqab und dennoch polarisiert die Frage der Verschleierung muslimischer Frauen die Gemüter. In einigen deutschen Bundesländern gibt es bereits ein Verbot für Ganzkörperschleier oder Kopftücher in öffentlichen Einrichtungen. Noch einen Schritt weiter sind vor Kurzem die konservativen Regierungen in Frankreich und Belgien gegangen. Dort gilt seit 2010 beziehungsweise 2011 ein generelles Verschleierungsverbot in der Öffentlichkeit. Als Begründung wird meistens die Würde der Frau, aber auch die Wahrung der öffentlichen Sicherheit angeführt. Das klingt vernünftig - allerdings lohnt es sich, genau hinzusehen. Diffamierungen des Islam sind en vogue und in manchen Wählerschichten geradezu ein Stimmengarant. Erst Ende Juli hat der Europarat in Straßburg die europäischen Regierungen zu mehr Toleranz aufgerufen. Besonders Muslime seien im Diskurs der "populistischen Rechten in Europa zum Sinnbild der Andersartigkeit" geworden, erklärte der Menschenrechtskommissar.

Bayern profitiert von der Intoleranz

In München jedenfalls sieht man den Trend in den Nachbarländern noch von einer ganz anderen Seite. Schon länger sind hier im Straßenbild verhüllte Touristinnen beim Einkaufsbummel zu beobachten. Sie kommen vor allem aus den arabischen Golfstaaten und schätzen Bayern als sichere Destination mit angenehmem Klima. Hinzu kommt laut Tourismusexperten die gute medizinische Versorgung, denn viele der Touristen lassen sich auch hier behandeln oder sogar operieren. Seit der Einführung des Verschleierungsverbots in Belgien und Frankreich sind die Besucherzahlen aus diesen Ländern durch die Decke geschossen. Allein von Januar bis Mai kamen rund 36.000 Gäste, was einer Steigerung von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Für die Sommermonate - die Hauptreisezeit der arabischen Länder - erwarten die Bayern noch mehr Touristen. Außer München erfreut sich beispielsweise im Winter auch die Zugspitze wachsender Beliebtheit. Die arabischen Gäste beim Schneeballwerfen und Schlittenfahren zu beobachten, ist dabei offensichtlich bereits zu einer eigenen Touristenattraktion geworden.

Das Geschäft mit den Golf-Touristen lohnt sich doppelt

Da die Reisenden aus den Golfstaaten oft wohlhabend sind, sind Tagesbudgets von bis zu 1000 Euro keine Seltenheit. Geschäfte in den Einkaufsmeilen profitieren ebenso wie die BMW-Welt oder andere Luxus-Einkaufsgelegenheiten. Sie arbeiten auch mit den Hotels zusammen, die sich einiges einfallen lassen, um ihre anspruchsvollen Gäste zufriedenzustellen. Vom Beduinenzelt im Vorhof über speziell geschulte Köche bis zur alkoholfreien Minibar reichen die Zusatzangebote. Die Anti-Burka-Gesetze der Nachbarländer zahlen sich also für die Bayern doppelt aus. Wirtschaftlich, indem die wohlhabenden arabischen Touristen Devisen in diverse Kassen spülen. Und kulturell, weil Reisen für beide Seiten die Möglichkeit eröffnet, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Und was gibt es Wertvolleres?

Marie Sophie Emrich Seng

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