Erinnern Sie sich noch an den Saturn-Slogan "Geiz ist geil"? Ein Motto, das in Deutschland 2007 als überholt galt und zu dem Auslauf der Kampagne führte. Die Marketingbranche war sich einig: Der Verbraucher hat seinen Schwerpunkt verlagert. Ab sofort spielen wieder Qualität und Service eine große Rolle im Konsumentenverhalten.
Was für den deutschen Elektrofachhandel gilt, lässt sich offensichtlich nicht auf die irische Luftverkehrsbranche übertragen. Im Land der saftig grünen Wiesen beschäftigt sich der Chef der Billigflugkette Ryan-Air, Michael O`Leary, eigenen Angaben zu Folge 90% seiner Zeit damit, sich über Sparmaßnahmen den Kopf zu zerbrechen. Eine Aussage, deren Gehalt nicht eigens überprüft werden muss, schlägt man auch nur ab und an eine Zeitung auf.
Chronik der Sparmaßnahmen von Ryan-AirBereits seit 2009 denkt der Firmenboss über kostenpflichtige Toiletten an Bord nach. Ein Traum, der sich bis dato nicht realisieren lies, da sich der Flugzeughersteller Boeing vehement weigert, Bezahlschlitze in seine Türen einzubauen. Es folgten Ideen wie die Einführung von "Fat-Taxes" (Extra-Steuer für beleibte Passagiere), Abspeckprogramme für Flugbegleiter/innen, weniger Seiten im Bordmagazin sowie der Verzicht auf Copiloten und überflüssige Eiswürfel. Das Ziel: so wenig unnötiger Ballast wie möglich an Bord, denn dieser steigert bekanntermaßen den Kerosinverbrauch. Dass Ryanair gern mit dem Treibstoff geizt, ist spätestens seit Sommer dieses Jahres geläufig. Meldungen, wie "drei Notlandungen an einem Tag" machten jüngst die Runde.
Da es sich beim Ryanairchef um einen Full-Time-Sparfuchs handelt, bleiben auch Überlegungen wie Umbaumaßnahmen von Flughäfen nicht aus. 2010 forderte O`Leary die Abschaffung von Duty-Free-Läden an Flughäfen, die nur Kurzstrecken anbieten. Seine Logik: "sind die Gebäude einfacher, reichen auch niedrige Abfertigungsgebühren."Gleiches Prinzip, bei der neuesten Meldung: Der umtriebige Ire macht sich für Discount-Flughäfen stark. Bei den "Aldi-Airports" sollen die Passagiere selbst das Gepäck mit in den Flieger nehmen, was die Abteilung, die sich um verlorenes Gepäck kümmert, sowie Transportbände überflüssig machen würde.
Nach all diesen Schilderungen dürfte es für niemanden mehr verwunderlich sein, dass das Unternehmen derzeit auf der Suche nach Tee- und Kaffeesponsoren ist. Ryanair würde das Logo auf den Trinkbecher drucken und das Getränk dann - selbstverständlich - teuer verkaufen. Wieder eine profitsteigernde Maßnahme, genau wie die Erhöhung der Koffergebühren um 20 Euro vergangenen Jahres und das kostenpflichtige Herunterladen der neuen Ryanair-App (3 Euro).
"Ich sorge für Schlagzeilen", äußerte einst der Firmenboss in einem Interview. "Jede dieser Schlagzeilen sorgt dafür, dass wir wachsen."
Hiermit hätten wir unseren Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung der "O`Ryanschen" Marketingstrategie geleistet. Doch lieber Herr O`Leary, lassen Sie es sich gesagt sein: "Willst du gelten, mach` dich selten". Dies gilt zumindest bei den vielen deutschen Konsumenten, die (seit 2007 wieder) auf Qualität und Service abfliegen.
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