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Von der Schieflage eines Schiffes

20 Januar 2012 - 17:51 Deike Moggert

Die Reederei Costa Crociere hat sich und die Kreuzfahrt im Allgemeinen in der letzten Woche nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Dies sollte aus Erfahrung auch Auswirkungen auf das Vertrauen der Passagiere haben - eigentlich...

Das Thema beherrschte dieser Tage maßgeblich die Nachrichten. Nach und nach kommen immer dubiosere Hintergrundinformationen heraus. Wollte der Kapitän die Insel grüßen und ist viel zu nah ans Ufer gefahren? Warum hat er das Schiff verlassen, bevor dies die letzten Passagiere taten? Und warum wurden die Passagiere zurück in ihre Kabinen geschickt, obwohl hätte klar sein müssen, dass dies ihr Leben kosten konnte?

Kreuzfahrten boomen bereits seit einigen Jahren. Die Zuwachsraten sind in diesem touristischen Segment mit einem Passagierplus von knappen 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr so gigantisch wie nirgends sonst. Ganze 1,2 Millionen deutsche Passagiere buchten 2010 eine Kreuzfahrt (Zahlen der Süddeutschen Zeitung). Auch werden immer ausgefallenere Konzepte entwickelt: Disney-Schiffe, Club-Schiffe, Wellness-Kreuzfahrten und Expeditionstouren. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Damen nur mit einer ergrauten Dauerwelle und die Herren nur im Smoking aufs Schiff gelassen wurden. Das Kapitänsdinner hat sich zur heißen Schlacht am kalten Büffet entwickelt und immer mehr Ehen werden auf Kreuzfahrtschiffen geschlossen - aber auch gebrochen (ich persönlich durfte während einer einzigen Kreuzfahrt drei Ehestreits mit Ankündigung von Scheidung beiwohnen).

Fest steht, dass eine Kreuzfahrt nicht nur einen Hauch von Abenteuer verspricht und uns an die sonntäglichen Traumschiffepisoden erinnert. Eine einzige Reise bringt uns innerhalb weniger Tage an viele spannende Orte und das auf äußerst komfortable Art und Weise.

So ist es letztlich doch nicht verwunderlich, dass sich die Passagiere bis jetzt nicht von einem einzelnen Unglück haben abschrecken lassen. Sowohl der Deutsche Reiseverband, als auch die führenden Vertreter der Kreuzfahrtbranche bestätigen, dass die Kreuzfahrten-Beliebtheit keineswegs zurückgegangen ist. Auch in der letzten Woche drängten sich die Besucher auf der Reisemesse CMT am Stand der Costa Crociere. Ebenso buchen die Kunden fröhlich weiter - und warum auch nicht? Auf 100 Millionen Kreuzfahrt-Passagiere kamen, nach Angaben der Süddeutschen Zeitung, seit 2006 lediglich 16 Todesfälle. Da ist man schon als Fußgänger stärker gefährdet!

Bemerkenswert fand ich persönlich die Tatsache, dass Costa Crociere so großzügig war, den zukünftigen Passagieren der Costa Concordia eine Alternativreise anzubieten. Da das Schiff zurzeit etwas in Schieflage geraten ist, dürfen Reisende, die in den nächsten Wochen eine Kreuzfahrt mit dem havarierten Schiff gebucht haben, auf eine andere Reise umbuchen. Das nenne ich wahren Kundendienst! So ist der Ruf der Reederei sicherlich bald wieder hergestellt und die Passagiere buchen fleißig weiter.

Zahlen und Infos: Süddeutsche, Tagesschau, fvw

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