Eingang der Van Gogh-Stiftung Diese einzigartige Stiftung präsentiert Werke großer Künstler, die Van Gogh zum Vorbild haben. © Joseph Sohm / Age Fotostock
In der Stadt Arles gibt es zwar keine Gemälde von Van Gogh, aber zum Ausgleich haben Maler dort einen Ort der Erinnerung an den berühmten Künstler geschaffen. Obwohl Van Gogh fünfzehn Monate in der Stadt lebte und in dieser Zeit über 300 Bilder entstanden, sind in Arles fast keinerlei Spuren des großen Malers erhalten.
Vincent Van Gogh kam am 20. Februar 1888 zum ersten Mal nach Arles. Mit den Taschen voller Hoffnung entdeckte er das Licht das Südens, das seine Malerei radikal verändern sollte. Sein Leben in Arles vom 21. Februar 1888 bis zum 3. Mai 1889 entspricht jener Schaffensperiode, in der sich seine Farben und Zeichnungen den japanischen Stichen oder der Malerei des von ihm bewunderten Künstlers Gaugin annäherten.
Die provenzalische Landschaft mit ihren überwältigenden Lichtverhältnissen, der stechenden Sonne, den scharfkantigen Bergzinnen, den wie schwarze Schatten wirkenden Zypressen und den knorrigen Olivenbäumen löste bei Van Gogh in künstlerischer Hinsicht einen derartigen Schock aus, der sowohl sein Genie entfesselte, an dem jedoch sein Verstand in gleicher Weise zerbrach.
Die Motive dieser Periode (Sonnenblumen, Olivenbäume, gepeinigt wirkende Menschen, nüchterne Zimmer?) sind symbolische Spiegelbilder der Qualen, der Leidenschaft, der Verzweiflung, des Leidens und der Genialität des Künstlers, der in dieser Zeit über sich hinauszuwachsen schien.
Paradoxerweise stärkt diese Periode des inneren Kampfes seine Berufung als Maler. Während dieser Zeit entstand auch der Wunsch, in Arles eine Künstlergemeinschaft ins Leben zu rufen. Diese nahm dank der Gründung des von Gaugin angeregten "Atelier du Midi" konkrete Gestalt an.
Vincent selbst glitt währenddessen gleich den von ihm gemalten Landschaften immer weiter vom gleißenden Licht in das Dunkel des Schattens ab. Seine innere Zerrissenheit erreicht ihren Höhepunkt in Auvers-sur-Oise, wo er sich am 20. Mai 1890 das Leben nahm.
"Mögen die Künstler sich in Arles zusammenfinden", schrieb Vincent im Jahr 1888 an seinen Bruder Theo. Hundert Jahre nach dem Tod des Malers beschließt Yolande Clergue 1990, den bislang unberücksichtigen Lebensabschnitt Vincents in Arles mit Leben zu füllen. Die Stadt besaß keines seiner Werke und die von ihm bewohnten Orte waren den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen: Das berühmte gelbe Häuschen ist beispielsweise nur noch auf den Bildern des Meisters zu sehen. Zum 100. Todestag des Malers sollte sein Traum verwirklicht werden.
Yolande Clergue wurde in ihrem Ansinnen von Jacqueline Picasso und schließlich auch von Picasso selbst unterstützt, der in seiner Brieftasche einen Zeitungsausschnitt über den Zwischenfall in Zusammenhang mit dem abgeschnittenen Ohrs Van Goghs aufbewahrte. Im Jahre 1985 bat sie Francis Bacon, ein Werk zum Thema Vincent zu schaffen. Die Begeisterung Bacons (er lieferte sogar das Plakat für die Ausstellung) war eine Ermutigung für Yolande; so entstand Schritt für Schritt eine Sammlung an Arbeiten von Künstlern wie David Hockney, François Bret, Antonio Saura und Bernard Muntaner, die Themen aus den Gemälden Van Goghs aufgreifen? Weitere Künstler haben sich an dem Projekt mit Skulpturen, Fotografien und musikalischen Beiträgen beteiligt; Christian Lacroix steuerte ebenfalls zwei seiner Kreationen bei ? eine mit Sonnenblumen, eine weitere in Anlehnung an das Kostüm des Zuaven.
Und obgleich die Gedenkfeier zum 100. Todestag nur ein punktuelles Ereignis war, verfügt die Stadt Arles nun über eine einzigartige Sammlung von Werken zur Erinnerung an Vincent Van Gogh. Zur Erfüllung des Van Gogh'schen Wunsches, im Land des Lichts von einer Künstlerfamilie umgeben zu sein, organisiert die Stiftung zahlreiche Gemäldeausstellungen.
Palais de Luppé 24 bis, Rond-point des Arènes ? 13200 Arles.
Tel.: + 33 (0) 4 90 49 94 04
Website: www.fondationvangogh-arles.org
Öffnungszeiten: Vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 10 - 19 Uhr.
Vom 1. November bis 31. März täglich außer Montag und Samstag vormittags von 10.00 - 12.30 und von 14.00 - 17.30 Uhr.
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