Reiseanbieter nehmen Tierattraktionen aus dem Programm

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Ob Elefantenreiten, Delfinschwimmen oder Walshows - Tiere gelten vielerorts als Urlaubsattraktion. Immer mehr Reiseveranstalter streichen die umstrittenen Angebote nun aus ihren Programmen.

Delfine bei einer Touristenshow

Delfine bei einer Touristenshow
© Dmitry Vorobyov/123RF

Tierattraktionen sind bei vielen Touristen sehr beliebt, trotzdem ist schon lange bekannt, dass Delfinshows und ähnliche Angebote tierschutzrechtlich oft nicht ganz unproblematisch sind. Immer mehr Veranstalter verzichten daher inzwischen auf bestimmte Aktivitäten oder setzen bei der Zusammenarbeit mit Vertragspartnern Mindeststandards beim Umgang mit Tieren voraus.

Ein Beispiel ist der Reisekonzern DER Touristik. Das Unternehmen gibt an, bis Ende 2020 schrittweise alle Angebote mit direktem Kontakt zu Wildtieren aus dem Programm nehmen zu wollen und Kooperationspartner, die Aktivitäten mit Tieren anbieten, auf die Einhaltung von Tierschutzanforderungen zu prüfen. Der Reiseanbieter orientiert sich dabei - wie auch Marktführer TUI und Thomas Cook - an den Richtlinien des britischen Reiseverbandes ABTA (Association of British Travel Agents).

Obwohl das zunächst sehr positiv klingt, hält der deutsche Tierschutzbund die Umsetzung für nicht konsequent genug. In den Richtlinien geht es beispielsweise darum, dass die Tiere nicht unter Hunger oder Durst leiden, geeignet untergebracht werden und bei Verletzungen medizinische Versorgung erhalten - Aspekte also, die in der Theorie sowieso eingehalten werden sollten. Außerdem handele es sich bei den Auflagen lediglich um Empfehlungen ohne konkrete rechtliche Bindung; deutsche Branchenstandards gebe es bisher nicht. Zumindest Reitausflüge und Shows mit Elefanten haben TUI und Thomas Cook komplett aus dem Programm genommen.

Wie Ergebnisse einer von TUI in Auftrag gegebenen Marktanalyse zeigen, sind Tierattraktionen bei Urlaubern trotzdem nach wie vor begehrt. Rund 70 Prozent der Urlauber wünschen sich den Angaben zufolge Ausflüge zu Delfin- und Walshows im Angebot. Davon sagten aber 60 Prozent, dass sie sich diese Attraktionen nur vorstellen könnten, wenn globale Tierschutzstandards erfüllt seien. Tierschützer geben jedoch zu bedenken, dass artgerechte Haltung bei Delfinen schwierig sei. "Sie legen in freier Wildbahn Strecken von bis zu 100 Kilometern pro Tag zurück und tauchen bis zu 200 Meter tief. Ihr Bewegungsbedürfnis lässt sich in Delfinarien nicht stillen", so James Brückner, Referent für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund.

Trotz aller Diskussionen scheint ein sofortiger vollständiger Verzicht auf Tierattraktionen auch nicht sinnvoll. Insbesondere in Entwicklungsländern könnte die Bevölkerung darunter leiden, da Angebote mit Tieren dort teilweise die Existenzgrundlage darstellen. "Menschen und Tieren müssen gleichermaßen Perspektiven geboten werden", argumentiert DER-Touristik-Managerin Ulrike Braun. "Einen Verkaufsstopp ohne Alternativen lehnen wir ab." Das Ziel sei daher, zusammen mit Tierschutzorganisationen und den Partnern vor Ort tierfreundliche Ausflugsangebote zu entwickeln.

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Die Redaktion
Geposted 01.08.2017 1 teilen
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