Geposted 04.01.2021 (Bearbeitet am 06.01.2021)

#Transport #Österreich

Mit viel Poesie und Romantik im Nachtzug durch Europa

© Jerome Cid/123RF

Nachtzug von Wien nach Paris

In poetischer Weise während der Zugfahrt die Nachtstille genießen, ein Buch dabei lesen oder sich abends einfach kurz nach der Abfahrt in Wien ins Bett legen, um am nächsten Morgen kurz vor der Ankunft in Paris aufzuwachen... Kurz gesagt: Nachtzüge verbinden etwas Romantisches und Verträumtes, als auch was sehr Praktisches beim Reisen. Nun erkennen Bahnanbieter verschiedener Länder wie Deutschland und Frankreich in der Coronakrise dieses Potential wieder und bauen ihre Routen für die ''Nightjet''-Nachtzügen in den nächsten Jahren aus.

Nachtzüge haben bis heute einen gewissen romantischen Charme, der sich selten mit anderen Verkehrsmitteln wie Flugzeuge vergleichen lässt, was jetzt auch der österreichische Bahnanbieter ÖBB in Zusammenarbeit mit der französischen SNCF, der schweizerischen SBB und der Deutschen Bahn festgestellt hat. Alle vier nationale Bahnanbieter planen für die kommenden Jahre nach einem Jahrzehnt des Abbaus von Nachtzügen, ihren Schienennetz für diese auszuweiten. Geplant sind bis Dezember 2024 vier ''Nightjet''-Routen zu ermöglichen, die 13 Großstädte verbinden sollen.

So soll bis Dezember 2021 die Route Wien-München-Paris sowie Zürich-Köln-Amsterdam angeboten werden können und zwei Jahre später Wien/Berlin nach Brüssel/Paris. Im Dezember 2024 stehen auch Nachtzüge zwischen Zürich und Barcelona für interessierte Fahrgäste zur Verfügung.

Die momentanen Investitionen in Nachtzügen innerhalb Europas kann als Antwort auf die aktuelle Pandemie sowie auch dem flightshaming verstanden werden und als umweltfreundliche Alternative zum Fliegen verstanden werden. Aufgrund zahlreicher low-budget-Flügen, die häufig von Airlines wie Ryanair angeboten wurden, als auch preisgünstige Busfahrten von Flixbus, wurde das Angebot von Langstrecken-Nachtzügen in den letzten Jahren erheblich zurückgefahren.

Doch die derzeitige Coronakrise ermöglicht es den Nachtzügen eine bedeutsame Rolle im zukünftigen Reisen innerhalb Europas zu ermöglichen. Denn wer möchte noch sehr eng mit einer fremden Person derzeit (und auch nach der Corona-Pandemie) im Flieger sitzen, wenn man auch eine eigene Kabine im Zug für sich haben kann? So schreibt Andrew Martin, der sich in seinem Werk ''Night Trains: The Rise and Fall of the Sleeper'', wie es zu einem allmählichen Untergang von Nachtzügen in den letzten Jahren kommen konnte und betont dennoch die Bedeutung dieser Nachtzüge als Reisemöglichkeit Nachtzüge: ''Nachtzüge sind umweltfreundlicher, sparen Ihnen eine Nacht Hotelrechnung und haben immer noch eine romantische Anziehungskraft.''

Um auch als alternatives Verkehrsmittel zum Fliegen stärker wahrgenommen zu werden beim Reisen, müsste in der EU eine Kerosinsteuer eingeführt werden, wie viele Verkehrspolitiker diese fordern, da nach wie vor das Fliegen häufig weitaus günstiger und profitabler als das Reisen mit dem Zug ist. Auf diese Weise könnte man Nachtzügen eine faire Chance auf dem Verkehrsmittelmarkt ermöglichen und sie als Verkehrsmittel für das Reisen in Europa attraktiver machen.