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Warum steht hier ein KIRCHTURM MITTEN IM SEE? - Die unfassbare Geschichte von Graun
Geposted 10.08.2016

AusgefallenesItalien

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Um den Kirchturm im Reschensee, in Südtirol, ragen sich viele Legenden. Aber an Melancholie übertrifft wohl keine dieser Geschichten die wahre. Wir erzählen Ihnen die Tragödie hinter diesem wunderschönen Bild.

Der schöne Reschensee, der direkt im Dreiländereck zwischen Italien, Österreich und der Schweiz liegt, ist heute ein beliebtes Urlaubsziel. Der windige See bietet wundervolle Wassersportmöglichkeiten und seine malerische Umgebung lädt Sie zum Entspannen in der Natur ein. Aber was ist das für ein Kirchturm, der mitten im See aus dem Wasser ragt?

Reschensee

Reschensee
© Michelangelo Oprandi/123RF

Die Geschichte zu diesem einzigartigen Bild ist leider nicht so wunderschön, wie es der Ort vermuten lässt. Denn unter dem 6 Kilometer langen und ein Kilometer breiten, künstlichen See liegen mehr als 100 Existenzen vergraben. Der See verbirgt das ehemalige Dorf Graun im Vinschgau.

Oft wird im Zuge des Dorfes von der Geschichte des "Atlantis der Berge" gesprochen. Aber auch wenn es nur noch wenige lebende Zeugen des ursprünglichen Dorfes Graun gibt, ist seine Geschichte ganz und gar kein abenteuerlicher Mythos à la Platon. Vielmehr handelt es sich um eine tragische Geschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Im Jahr 1939, zu Zeiten des italienischen Faschismus, plante der italienische Konzern "Montecatini" den See zu stauen. Die Bewohner des Dorfes wurden in keiner Sekunde in die Entscheidung miteinbezogen. Da kurz nach der Entscheidung der Weltkrieg das Vorhaben deutliche verzögerte, geriet das Projekt zunächst in Vergessenheit.

Aber im Jahr 1947, nur zwei Jahre nach dem Ende des Krieges, verkündete die Kompanie, dass die Stauung, wie geplant, wieder aufgenommen werden soll. Schließlich wurde im Jahr 1950 der See gestaut. Die Existenz von 150 Familien wurde einfach überflutet und die Familien des Dorfes gezwungen sich etwas Neues zu suchen.

Reschensee

Reschensee
© pietrobasilico/123RF

Heute sieht man von dem Dorf nur noch die Spitze der Kirche aus dem 14. Jahrhundert. Die rund2400 Bewohner mussten damals schmerzlich mitansehen wie ihr Heim überflutet wird. Eine gerechte Entschädigung gab es natürlich nicht. Umso tragischer ist die Schönheit des heute so beliebten Postkartenmotivs, "Turm im See", wenn man bedenkt, dass hinter dem Antlitz des Turms Zwangsenteignung und Umsiedlung stehen.

Nichts desto trotz ist es einer der beliebtesten Ausflugsziele. Der See ist der perfekte Ort für einen entspannten Tag in der Natur im Sommer und auch im Winter ein beliebter Treff für Eissportler. Beliebt sind vor allem Eissegeln und Snowkiting, eine Variante des Kitsailings im Sommer.

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