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Massentourismus adé! Warum nachhaltiger Tourismus nach der Coronakrise eine wichtige Rolle spielen wird!
Geposted 09.09.2020 , Bearbeitet am 11.09.2020

UmweltItalien

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Für die Tourismusindustrie steht fest, dass sie nach der Coronakrise klimafreundlicher und nachhalitiger werden möchte. Zwei Fallbespiele aus Venedig und Kenia als beliebte Reisestadt und -Land, sollen zeigen, welche Probleme sie sich derzeit stellen müssen und in welcher Weise sie ihre Herangehensweise in der Tourismusbranche reformieren möchten.

Seit der Coronakrise wird in der Tourismusbranche die Frage aufgestellt, in welcher Weise sich das Reisen verändern wird und wie wir mit dieser ''Neuen Normalität'' im Tourismus umgehen werden. Da besonders durch die Coronakrise das Thema nachhaltiger Tourismus stärker im Vordergrund gerückt ist in der Tourismusbranche, haben diverse Tourismus-Organisationen wie die Koalition Future of Tourism, die sich aus sechs gemeinnützigen Organisationen zusammensetzt sowie die Organisation Adventure Travel Trade Association, Konzepte erarbeitet, wie man nachhaltiges Reisen in der Zukunft besser gestalten und durchsetzen kann.

Wie wird sich Venedig nach der Krise verändern?

Wie wird sich Venedig nach der Krise verändern?
© jakobradlgruber/123RF

Venedig wendet sich ab vom Massentourismus

Reiseziele, die häufig vom Massentourismus betroffen waren wie Venedig, erleben durch ihre starke Abhängigkeit an der Tourismusbranche sehr hohe wirtschaftliche Konsequenzen, die die Stadt bisher noch nie erlebt hatte. Viele Menschen, die die romantische, italienische Stadt zuvor noch nicht besucht hatten, setzten sie auf ihre Reiseliste, weshalb es einen wenig überrascht, dass Venedig bis zur Pandemie jährlich 30 Millionen Besucher empfing. Die Stadt, in der selbst Einheimische mit den Problemen des Massentourismus im Alltag konfrontiert wurden, erlebt seit einigen Monaten eine komplett andere Seite von sich selbst. Venedig mag zwar nicht mehr so ungewohnt leer sein wie einst zu Beginn des Lockdowns, jedoch scheint sie auch seit der Öffnung der italienischen Grenzen für Touristen seit dem 03.Juni ihrem Fluch und gleichzeitig wirtschaftlichen Segen des Massentourismus los zu sein. So stellen selbst die Einwohner fest, dass sich die Lebensqualität um einiges verbessert hat. Daher kann man sich zurecht die Frage stellen, ob man wirklich nur aufgrund finanzieller Zwecke zurück zum Massentourismus soll, jetzt wo die Wasser- und Luftqualität sich um einiges gebessert hat und Einheimische sich weniger Problemen mit den zahlreichen Touristen stellen müssen? Was Venedig tatsächlich möchte, ist sich hin zu einem ''intelligenten Tourismus'' zu bewegen, in der die Touristenzahl beschränkt werden soll und Touristen sich mehr Zeit nehmen, die Stadt besser kennenzulernen, für das sich der venezianische Bürgermeister Simone Venturini in Zukunft stärker einsetzen möchte.

Kenias Tourismus auch stark betroffen

Ein Land, das ebenfalls mit starken wirtschaftlichen Einbrüchen zu kämpfen hat, ist Kenia. Normalerweise empfängt das Land im Osten Afrikas internationale Touristen hauptsächlich aus Europa, den USA oder Australien, die besonders im bekannten Maasai Mara die ''Größen 5'' (Elefant, Löwe, Leopard, Nashorn und Büffel) bei einer abenteuerlichen Safari-Tour entdecken möchten.Obwohl auch das Land seine Reisebeschränkung seit dem 01.August für internationale Touristen geöffnet hat (unter Voraussetzung der Vorlage eines negativen Corona-Tests), scheint sich Kenia von seiner angeschlagen Tourismusbranche mangels internationaler Touristen kaum erholen zu können. Mit einem Verlust von 752 Millionen US-Dollar mussten bereits viele Hotels in Kenia schließen und selbst die kenianische Tourismusbranche spekuliert, dass eine Rückkehr zum bisherigen, üblichen Tourismus-Niveau der vor Corona-Zeit bis zu vier Jahre dauern könnte.

Wildtiere können sich derzeit gut in der afrikanischen Savanne erholen

Wildtiere können sich derzeit gut in der afrikanischen Savanne erholen
©Jane Rix/123RF

Stärkerer Fokus auf einheimische Touristen

Die Strategie, die momentan sowohl in Kenia als auch in vielen anderen Ländern verfolgt wird, um die Tourismusbranche am Leben zu erhalten, ist vor allem Einheimische für das Reisen im eigenen Land zu animieren. Was zunächst gut klingt und besonders nachhaltig, wurde von vielen Kenianern teilweise kritisiert. Die Kritik seitens der Kenianer galt aber hier vor allen Dingen Luxushotels wie dem ''Giraffe Manor'' in der Nähe von Nairobi. Das Hotel erntete viel Kritik, nachdem es in einem Instagram-Post schrieb, dass das Hotel für kenianische Bürger ab dem 01. Juni eröffnen würde und die Preise senkt, um es für die kenianischen Bürger erschwinglicher zu machen. Dementsprechend verstanden viel darin, dass zuvor nur wohlhabende internationale Gäste willkommen waren und teilten ihre Diskriminierungserfahrung mit dem Hotel auf Social Media-Plattformen wie Instagram und Twitter. Was passiert jedoch, wenn die Krise vorbei ist? Wird man Einheimischen weiterhin den Zugang zum Hotel und vielen anderen Resorts im Maasai Mara erschweren und die Chance ihr eigenes Land näher kennenzulernen verkomplizieren?

Neben diesem momentan gesellschaftlichen Konflikt in der kenianischen Tourismusbranche, sieht auch das kenianische Ministry of Tourism and Wildlife vor seinen Tourismus im Land stärker zu regulieren, um das Ökosystem mit den gefährdeten Tieren im Masaai Mara zu schützen, das sich angesichts niedriger Tourismusaktivitäten derzeit gut erholt.

Wirtschaftliche Folgen als Hindernis für nachhaltiges Reisen

Die finanziellen Folgen in der Tourismusbranche werden auch in den nächsten Jahren ihre Spuren hinterlassen. Länder, wie Kenia und Italien, die größtenteils vom Tourismussektor abhängig sind, müssen sich alternative Strategien überlegen wie sie weiterhin vom Tourismus nach der Krise profitieren können, ohne dass sie die Umwelt als auch die Einheimischen mit den Problemen des Massentourismus belasten. Einzig das Fliegen könnte weiterhin zu einem umweltschädlichen Faktor beim Reisen bleiben, zumal seit der Krise viele Airlines um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen müssen und selbst bei Aufrechterhaltung mancher Airlines durch die staatliche Unterstützung, die Beschaffung von emissionsarmen Flugzeugen und die Durchsetzung von Klimazielen bei vielen Airlines an letzter Stelle stehen werden.