• Login
Die keltischen Nationen
Geposted 23.05.2017

KulturGroßbritannien

Twitter Facebook 4 teilen

Die keltische Kultur ist gegenwärtig populärer denn je. Mit dem Aufstieg der Fantasy-Branche im Filmgeschäft sieht man zahlreiche Flechtenmuster, Spiralen, Endlosknoten und andere keltische Abbilder auf Titelblättern, Werbeplakaten und Anzeigen. Beliebt sind die Muster auch als Körperschmuck in Form von Tattoos, Ketten, Armreifen oder Ringen. Doch obwohl die Überbleibsel dieser antiken Volksgruppe der Eisenzeit sich gegenwärtig so großer Aufmerksamkeit erfreuen, kennen nur die Wenigsten die Nationen, welche sich heute noch mit dem keltischen Brauchtum identifizieren. Wie viele keltische Nationen gibt es? Welche sind es? Und wie zeigt sich der keltische Einfluss in diesen Gebieten?

Die Geschichte der Kelten

Die Geschichte der Kelten
© Vera Kuttelvaserova Stuchelova/123RF

In der vorchristlichen Zeit waren die meisten Länder West- und Zentraleuropas von den Kelten beeinflusst. Heute noch gibt es in einigen Ländern Bewegungen, die sich als keltisch ansehen und das moderne Keltentum als Ausdruck ihrer Identität nutzen. Mitglieder dieser Staaten fordern die Anerkennung zur keltischen Nation. Laut der Keltischen Liga, dem Keltischen Kongress und weiteren pan-keltischen Organisationen gilt das Bestehen einer lebenden keltischen Sprache auf dem Gebiet jedoch als Schlüsselkriterium für die Anerkennung. Nur sechs "Nationen" werden laut diesem Unterscheidungsmerkmal legitimiert: Schottland, Irland, Isle of Man, Wales, Cornwall und Bretagne. Zu manchen Anlässen, wie z.B. beim Festival Interceltique, werden Galicien, Asturien und Kantabrien ebenfalls zu den keltischen Nationen gezählt.

Diese Nationen haben mit den folgenden Sprachen das Kriterium erfüllt: Schottisch-Gälisch (Gàidhlig) in Schottland, Irisch (Gaeilge) in Irland, Manx (Yn Ghaelg) in Isle of Man, Walisisch (Cymraeg) in Wales, Kornisch (Kernewek) in Cornwall und Bretonisch (Brezhoneg) in der Bretagne.

Schottland

Schottland
© Martin Molcan/123RF

Wer schon einmal in Schottland war, weiß, dass die wahren Sehenswürdigkeiten Schottlands nicht unbedingt Gebäude oder Museen sind. Das wirklich Sehenswerte sind die Landschaften, die Monumente der Geschichte und die Mythen und Legenden, die um diesen keltischen Staat kreisen. Viele kennen die Calanais Standing Stones, die Wintergöttin Beira ist jedoch weniger bekannt. Den Geschichten zufolge soll sie während den Wintermonaten Januar/Februar tobende Stürme erzeugen, um den Einzug des Frühlings zu verhindern. Dieser Mythos, ähnlich dem der Maya, verbildlicht die weibliche Kraft in dem Lebenszyklus.

Irland

Irland
© ANDREAS BERTHOLD/123RF

Von all den Begriffen, die heutzutage mit Irland und den Iren assoziiert werden, ist "keltisch" wohl das beliebteste. Dieser Terminus findet seinen Ursprung im 17. Jahrhundert und ist eine aus linguistischen Nachweisen resultierende Sammelbezeichnung, welche die einheimischen Sprachen von Irland, Schottland und Wales beschreibt. Das Keltentum und Irland haben eine lange gemeinsame Vergangenheit. Hauptsächlich führt diese Verbindung auf irische Schriftsteller und Volkskundler des vorletzten Jahrhunderts zurück, die während dunklen Zeiten versuchten ein Konzept von Nationalität und Identitätsbewusstsein zu bilden. Noch heute findet man zahlreiche Überbleibsel dieser sagenumwobenen Kultur überall in Irland verstreut. Vom Browne's Hill Dolmen über zum Staigue Stone Fort bis zum Drombeg Stone Circle - dem Altar der Druiden, gibt es in Irland so einiges, welche das Herz eines jeden Keltenfanatikers höher schlagen lässt.

Isle of Man

Isle of Man
© JanTreger/123RF

Der Name Isle of Man, zu Deutsch Insel Man, bezieht sich auf den keltischen Meergott Manannán mac Lir, der von den Bewohnern der Insel eine ungewöhnliche Steuer verlangte: ein Bündel Spartgras. St. Patrick bot dem willkürlichen Gott aber Einhalt und brachte Frieden ins Land. Bis heute gibt es noch zahlreiche Mythen von magischen Kreaturen in der manxischen Volkskunde. Diese beinhalten Geschichten von dem bösartigen Geist Buggane, dem unberechenbaren aber hilfsbereiten Kobold Fenoderee, dem geisterhaften schwarzen Hund Moddey Dhoo und zu guter Letzt Cabyll-ushtey, ein Wasserpferd, das Menschen in ihr Verderben lockt.

Wales

Wales
© stargatechris/123RF

Verschiedene ethnische Gruppen und Stämme aus Wales schlossen sich im Laufe der Zeit zusammen, um ihr Land gegen die Römer und später gegen die Angelsachsen und die Normannen zu verteidigen. Da die walisisch-keltische Kultur, im ständigen Kampf mit den Nachbar-Kulturen, Gefahr lief, verloren zu gehen, spielt das Bewahren der nationalen Identität eine große Rolle in Wales. Daher spielte Wales in der Vergangenheit eine Schlüsselrolle bei dem Vereinigungsprozess der kriegerischen Reiche und kann heutzutage mit einem reichen kulturellen Erbe protzen. Da die walisische Kultur abgeschnitten von den anderen keltischen Kulturen in Irland und im Norden Großbritanniens ist, gedeiht die lokale keltische Identität und verspricht eingehende Eindrücke in das walisische Keltentum.

Cornwall

Cornwall
© Robyn Mackenzie/123RF

Aberglaube und Legenden sind auch heute noch ein großer Bestandteil der Kultur Cornwalls, größtenteils am Leben gehalten durch amüsante Barden und unterhaltsame Theaterstücke. Cornwall ist auch vermeidlich das Land der Riesen und Feen. Die Grafschaft im Südwesten Englands ist der Ursprung der Legende von King Arthur und Jack the Gigant Killer. Weniger bekannte Fabelwesen sind z.B. die Piskies, Bolster, Blunderbore und Bucca. Die Knocker z.B. sollen kleine Wesen sein, die Minenarbeiter vor bevorstehenden Minenzusammenbrüchen warnten.

Bretagne

Bretagne
© Christian Baum/123RF

Wer kennt nicht Asterix und Obelix, die mutig mit Hilfe eines Zaubertrankes ihr geliebtes Gallien verteidigen? Genau das spiegelt die schöne Bretagne wieder. Monolithen, wie z.B. Menhire und Dolmen, die wir Normalsterblichen als magische Portale zu einer anderen Welt ansehen, sind für die Bretonen nichts Außergewöhnliches. Diese Region Frankreichs zählt deshalb als keltisch, da sie eine der einzigen Europas ist, die ihre keltischen Wurzel pflegt: die keltische Sprache Brezhoneg. Auch wenn es als Minderheitssprache in Frankreich gilt, gibt es dennoch eine Reihe von bretonisch-sprachigen Diwan-Schulen. Ein authentisches keltisches Erlebnis können Sie bei einer Fest-noz Abendveranstaltung erleben. Bretonische Musik und dazu passender Tanz unter der berühmten bretonischen Gwenn ha du Flagge bringen den keltischen Charakter dieses von der Geschichte geprägten Staats noch extra hervor.

Das könnte Sie auch interessieren

Nordirland: auf der Jagd nach versteckten Schätzen entlang der Causeway Coastal Route
Reisen nach Bretagne